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Anerkennung und Wertschätzung

Wir alle wünschen uns, von Anderen wertgeschätzt und anerkannt zu werden. Für das, was wir tun und für das, was wir sind.

Im Grunde möchten wir doch einfach gemocht und geschätzt werden, so wie wir sind.

Eine professionelle Sängerin hat mir erzählt, dass ein Freund ihr nach einem ihrer Konzerte einmal sagte, es sei ihm aufgefallen, dass sie den Applaus, den sie am Ende des Konzertes von den Zuhörern bekam, überhaupt nicht an sich herangelassen hat, gar nicht annehmen konnte. Nachdem sie sich mit dieser Rückmeldung auseinandergesetzt hatte, wurde ihr klar, wie einseitig sie die Beziehung zu ihren Konzertbesuchern lebte. Sie schenkte ihrem Publikum nicht die Offenheit, die sie sich selbst von diesem wünschte.

Gerade Menschen, die sich als Schauspieler, Redner oder Musiker auf eine Bühne stellen, haben häufig eine Sehnsucht danach, gesehen und gehört zu werden und für ihre Leistungen Anerkennung zu bekommen und Wertschätzung zu erfahren.

Aber was nützt es uns, von Außen Anerkennung zu bekommen, wenn wir diese gar nicht an uns heranlassen können? Da macht es dann keinen Unterschied, ob wir Beifall bekommen oder nicht.

Um Wertschätzung und Anerkennung durch andere wirklich annehmen und erfahren zu können, müssen wir uns zunächst einmal selbst von Herzen wertschätzen können.

Und auch was das Wertschätzen anderer betrifft, so gibt es eine ganz elementare Wahrheit: Nur wer sich selbst zutiefst wertschätzt, kann andere wahrhaftig wertschätzen. Das hört sich logisch und einfach an, ist aber keineswegs selbstverständlich.

Wertschätzung hat nichts mit Leistung zu tut. Anerkennung häufig schon. Wertschätzung bezieht sich auf die Seinsebene. Nicht darauf, dass wir etwas Bestimmtes oder etwas Besonderes tun, sondern einfach darauf, dass wir sind. Sie bezieht sich auf unser Wesen – nicht auf unsere Leistungen.

In dem Buch „Stille im Herzen“, von Paul Ferrini, habe ich eine Textstelle zum Thema Wertschätzung entdeckt:

„Wenn du einen Bettler siehst, dann lass dich nicht in die Irre führen. Frage ihn: Warum stehst du hier bettelnd an der Straßenecke, oh Erhabener? Lass ihn wissen, dass du siehst, wer er wirklich ist. Schau in seine Augen, sieh seine Göttlichkeit und frage ihn dann, ob du irgend etwas für ihn tun kannst. Machtlosigkeit ist eine großartige Verkleidung. Blicke hinter die Verkleidung und sage: Ich erinnere mich an dich, Bruder … Geh nicht weiter, ohne ihn zu würdigen. Denn was er braucht, ist nicht dein Geld, sondern deine Liebe, deinen Segen, deine Achtung. Du bist nicht hier, um sein Leben in Ordnung zu bringen, sondern um ihm Achtung entgegenzubringen.“

Auf den unterschiedlichsten Ebenen streben wir nach Anerkennung. In den Rollen etwa, die wir in unserem Leben spielen, als Vater, Mutter, Kind, Künstler, Chef … Mit Leistungen in Schule, Beruf und Freizeit … Mit unserem sozialen Status, unserem Geschmack, unserer Bildung, unserem Können … und häufig auch mit unserem Besitz.

Das Streben nach Anerkennung zählt nach Abraham Maslow, einem der Gründerväter der humanistischen Psychologie, zu den Grundbedürfnissen des Menschen.

Wir teilen gerne die Freude an einem von uns schön gestalteten Garten, am Erwerb eines tollen Autos … schmücken uns gerne mit einer neuen Halskette oder einem wohlriechenden Duft und wünschen uns durchaus Bestätigung für unser Wirken. Es ist schön, von anderen Anerkennung für ein besonders lecker gekochtes Essen zu bekommen, für ein Kleid, das uns gut steht … – es bereitet uns Freude, Aufmerksamkeit und Lob zu empfangen und auch zu verschenken.

Wir fühlen uns wohl bei Menschen, durch die wir Anerkennung erfahren und meiden eher Menschen, die Anerkennung und Wertschätzung nicht mit uns teilen. Wenn Du Dich selbst hingegen nicht oder nur wenig wertschätzt – etwa weil Du in deiner Kindheit keine oder nur wenig Wertschätzung erfahren hast – zieht es Dich vermutlich eher zu Menschen, Partnern … in berufliche Situationen etc., die Dir (D)ein Selbstbild des Unwertes bestätigen. „Wir akzeptieren das, was wir zu verdienen glauben“, habe ich neulich in einem Film jemanden sagen hören.

Es braucht keine großen Worte, keinen Applaus oder gar eine materielle Zuwendung, um Wertschätzung und Anerkennung auszudrücken, auch wenn all dies ganz wunderbare Möglichkeiten sind. Wertschätzung und Anerkennung können bereits durch einen herzlichen Händedruck oder durch einen tiefen Blickkontakt Ausdruck finden.

Wenn wir selbst uns als wertvoll erachten, – und zwar mit unseren Stärken UND mit unseren Schwächen – brauchen wir die Anerkennung nicht ständig im Außen zu suchen. Dann können wir sie genießen, wenn wir sie bekommen, vermissen sie aber nicht, wenn sie einmal ausbleibt.